[Workshop] Schleifen und spachteln und ggf. verzinnen

Technische Fragen und Antworten, Tipps und Tricks für Profis und Bastler. Hier sind die "Fachleute" am Werk.
Benutzeravatar
Benschpal
*
*
Beiträge: 1894
Registriert: 18.11.2007 17:32
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Nahe Wieselburg in Niederösterreich, Österreich

[Workshop] Schleifen und spachteln und ggf. verzinnen

Beitrag von Benschpal » 14.07.2008 19:53

hallihallo liebe gemeinde

ich fange morgen ins anschleifen an und dann werd ich spachteln.

was meint ihr, mit welcher körnung soll ich alles anschleifen für den neuen lack und mit welcher körnung fürs spachteln?

habt ihr sonst noch irgend welche tips fürs schleifen und spachteln?? alles her damit!!

mfg
bensch
Bild
| T2a/b | ehem. Feuerwehrbus (Fensterbus) | Baujahr 1971 | 1.8 Liter |

micha_ab
T2-Profi
Beiträge: 78
Registriert: 01.07.2007 15:58
IG T2 Mitgliedsnummer: 847
Wohnort: Südschwarzwald

Interessierter Mitleser....

Beitrag von micha_ab » 14.07.2008 20:04

Moin,

bei diesem Thema bin ich interessierter Mitleser, da ich grad eine Käferkarosserie fertig geschweisst habe und kommendes Wochenende mit Schleifen anfangen möchte....

Grüsse,
Micha_AB

Benutzeravatar
Benschpal
*
*
Beiträge: 1894
Registriert: 18.11.2007 17:32
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Nahe Wieselburg in Niederösterreich, Österreich

Beitrag von Benschpal » 16.07.2008 00:08

hat denn keiner tipps zu dem thema?? oda ist das soo einfach???

ich wäre froh über tipps und tricks!

bensch
Bild
| T2a/b | ehem. Feuerwehrbus (Fensterbus) | Baujahr 1971 | 1.8 Liter |

Benutzeravatar
bullimover
T2-Meister
Beiträge: 102
Registriert: 15.04.2008 22:01
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Tittling

Beitrag von bullimover » 16.07.2008 01:07

Hallo bensch,

gerne werde ich Dir bei Deinem Vorhaben unter die Arme greifen.
Die Frage ist nur, ob Dein Bus mehr ein Gebrauchsfahrzeug, oder eher ein neuwertiger Oldtimer werden soll. In letzterem Fall würde ich Dir einen erfahrenen Lackierer empfehlen.

Ich gehe mal davon aus, dass Dein Vorhaben eine Ganzlackierung innen und aussen sein wird.
Grundsätzlich gilt: Beulen bestmöglich rückverformen, um Spachtelmasse möglichst dünn aufzutragen und dadurch ein abplatzen zu vermeiden, keine Spachtelmasse auf blankes Blech auftragen und die Körnung des Schleifpapiers nach Möglichkeit so fein wie möglich zu wählen, um spätere Kratzer unter dem Lack zu vermeiden.

Dann empfiehlt sich für den Schleifvorgang per Hand eine möglichst gerade Schleifvorrichtung mit Fixiermöglichkeit für das Schleifpapier.
Es gibt dafür im Fachhandel sog. Schleifklötze oder Handhobel mit harter Schaumstoffsohle. Die Variante mit Klebeschleifpapier wäre natürlich vorteilhaft, da viel einfachere Handhabung, aber um ein vielfaches teuerer.

Auf blankes Blech sollte man mit 2-k Epoxydharz Grundierung vorgrundieren, damit eine Haftung mit Spachtel und Lack gewährleistet ist.

Zum schleifen kannst Du folgendes Papier verwenden:

Vorschliff zum spachteln und vor dem grundieren mit einem Füllack P220 - P240 nach Möglichkeit Exzenterschleifmaschine verwenden.

Zum Spachtel schleifen für grobe Sachen P80, dann mit P120 feiner werden und mit P220 feinschleifen, damit keine Kratzer unter dem Lack durch schwindendes Lackmaterial erscheinen. Der Feinschliff muss auch erfolgen, wenn ein erneutes mal darübergespachtelt wird!

Den Füllack, also die letzte Schicht vor dem eigentlichen Lack kannst Du dann mit einer Exzenterschleifmaschine mit P400 - P600 oder mit Wasserschleifpapier P800 - P1000 feinschleifen.

Der Lackaufbau ab Blech:
1. blankes Blech
2. 2-k Epoxydharz Grundierung
3. ggf. Spachtelmasse
4. an gespachtelten oder vorher blanken Stellen Rostschutzgrundierung (meistens rot)
5. Füllack "Füller"
6. Lack (1 Schicht ohne Klarlack, oder 2 Schicht mit KLarlack)

Je nachdem könnte ein Lack auf Kunstharzbasis am Fahrzeug angebracht sein, der sich mit derzeitigen Lacken nicht verträgt. Dann sollte wirklich alles runter. Das kannst Du am besten feststellen, wenn Du einen Lappen nimmst, ihn mit Verdünnung tränkst und über den origionalen Lack wischst. Sollte sich der originale Lack lösen, dann haste noch Kunstharzlack am Auto. :twisted:

Das Thema ist ganz schön umfangreich.
Um eine Beule auszurichten und mit Spachtelmasse wieder gerade zu bekommen braucht es etwas Übung. Geschweige, eine Grundier- und Füllschicht mit einer Sprühpistole gleichmößig aufzutragen.

Desweiteren ist auf absolute Sauberkeit beim schleifen und mit Fett zu achten. Ein kleiner Fingerabdruck (Handschweiß) kann dazu führen, dass der Lack beim lackieren nicht abbindet und sich zusammenzieht. Die sog. Silikone sind gnadenlos und können ein ganzes Auto runinieren. Ein sauberer Schliff ist überall da unerlässlich, wo neuer Lack hinkommt, das dieser sonst ne Weile später wieder abblättert.

Gruß, Tom

micha_ab
T2-Profi
Beiträge: 78
Registriert: 01.07.2007 15:58
IG T2 Mitgliedsnummer: 847
Wohnort: Südschwarzwald

Dankeschön....

Beitrag von micha_ab » 16.07.2008 08:40

Hallo Tom,

ein ganz herzliches Dankeschön von meiner Seite für die ausführliche Beschreibung!!

Dann werde ich die Sache mal angehen....

Grüsse,
Micha

Benutzeravatar
Harald
Wohnt im T2!
Beiträge: 6374
Registriert: 10.06.2003 11:18
Wohnort: Bremen

Beitrag von Harald » 16.07.2008 10:00

Klasse Tom,

kann man jetzt schon fast als Workshop bezeichnen!

Grüße,
Harald*393

Benutzeravatar
Hearty
T2-Meister
Beiträge: 100
Registriert: 22.04.2008 10:49
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Bremen

Beitrag von Hearty » 16.07.2008 10:56

Moinsen!
Is eher indirekt ein Spachteltip. Da ich Spachtelmasse nicht so gerne habe, stehe ich mehr auf Verzinnen. Das ist nicht weniger aufwändig und man braucht neben Geduld auch einiges an Übung, aber es ist halt weniger Flickwerk als Spachtel, da Metall zu Metall kommt und auch die Verbindung die das Zinn mit der Karosserie eingeht besser sein soll, als die von Spachtelmasse.

Lack runterschleifen, falls nicht schon geschehen, dann die Zinnpaste
(z.B.Technolit -TIN Verzinnugspaste) dick aufs blanke Blech.

Den Kram gleichmäßig erhitzen (Lötlampe, Bunsenbrenner oder Mamas Küchenflambierer – nur nicht erwischen lassen! :shock: ) bis das Zeuchs silbrig, bzw. chromfarben wird. Die kleine Blasen die dabei entstehen, lassen sich wegwischen wenn alles lecker glänzt.

Auch hier wie auch Bullimover schon oben schreibt: Weg mit den Fettgriffeln!
Nun weiterhin schön warm halten (nicht heiß, da sich sonst das Blech verziehen kann). Während dessen fix zum Zinnstab gegriffen und ein Ende davon erwärmen. (Manche erwärmen lieber das Blech)
Kurz bevor das Zeuch auf Deinen sicherlich septisch reinen Hallenboden tropft, den weichen Teil der Stange in die Beule ditschen und abdrehen. Das wiederholst Du so oft, bis ein netter kleiner Hügel in der Beule ist. Jetzt wieder das Gesamtkonstrukt warm machen, bis es sich mit ´nem Spachtel (getalgt/geölt oder aus Holz mit Bienenwachs bestrichen bzw. in Leinöl getränkt)) gleichmäßig verteilen und plattdrücken etc. lässt. (und dabei möglichst nicht wieder auf den Hallenboden tropft, weil Du es zu warm gemacht hast...) :oops:

Bei der Endbearbeitung scheiden sich die Geister. Ich habe oft gehört, dass man aus gesundheitlichen Gründen (weil: is bleihaltig und Blei is giftig) Zinn nicht schleifen soll, bzw. möglichst wenig, also am besten ne Raspel/Karosseriefeile benutzen und die letzten Reste nass mit Mundschutz und am besten draußen schleifen.

Wenn die Beule an einer waagerechten Stelle ist kann man das Zinn auch so heiß machen, dass es in die Beule rein läuft. Wenn Du Deinen Bulli (so sieht es auf Deinem Profilbild ja aus) beliebig auf die Seite legen kannst, spart das natürlich ne Menge Arbeit.

Greeeetz
Hearty

Benutzeravatar
burger
Wohnt im T2!
Beiträge: 1491
Registriert: 23.10.2006 12:52
Wohnort: OWL

Beitrag von burger » 16.07.2008 13:05

Zinnen statt spachteln ist kein guter Tip meiner Meinung nach, jedenfalls ist dies pauschale Aussage sehr unglücklich!
Spachtel ist Spachtel und hat genauso seine Daseinsberechtigung wie Zinn.
Wer z.B. eine kleine Beule in der Seitenwand hat sollte nie versuchen diese zuzuzinnen! Durch die Hitze verzieht sich das Blech und dann hast du hinterher ne größere Beule als vorher. Zinn ist als Füllmasse nur an Stellen ratsam, die nicht verzugsgefährdet sind (Radläufe, Schweller, hintere untere Ecken etc). Aber wenn man hier ausbeulen kann ist auch das vorzuziehen. Zinn wird in erster Linie zur Versiegelung von Schweissnähten genommen.
Gruß aus Ostwestfalen,
Markus

Benutzeravatar
B.C.
Wohnt im T2!
Beiträge: 1946
Registriert: 05.05.2006 12:57
IG T2 Mitgliedsnummer: 490

Beitrag von B.C. » 16.07.2008 15:49

Verzinnen nur auf glatten Flächen, nicht an Stößen (wo die Paste reinlaufen kann), sonst hat man ein "wunderschönes" Rostnest geschaffen,
weil die Paste säurehaltig ist. Auf glatten flächen wischt man die Reste vor dem eigendlichen Verzinnen mit dem Lappen ab, wie hier beschrieben.
Ist die Paste irgendwo reingelaufen, bleiben die Säurereste in der Karosserie! Auf großen, glatten Flächen ist die Verzugsgefahr nicht zu unterschätzen, wie burger schon sagte!
Früher wurde das so gemacht, klar. Wer das SO drauf hat, wie die alten
Karosseriebauer > Zinn marsch....

Bei Spachtel und Füller sind längere Trocknungszeiten (auch zwischen den einzelnen Schritten) einzuplanen. Gerade wenn der Zwischenschliff naß erfolgte und man keine Trockenkabine zur Verfügung hat.
Zum Einen muß natürlich das Wasser raus, zum Anderen schrumpfen die Materialien und es muß nachgearbeitet werden. Viele Hersteller behaupten zwar das Gegenteil, dennoch ist dies oft der Fall. Wenn vorher schon der Decklack drauf war (mir schon passiert)......

Benutzeravatar
Toffi
T2-Süchtiger
Beiträge: 292
Registriert: 23.03.2008 22:53
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Innsbruck/Bonn

Beitrag von Toffi » 16.07.2008 21:48

Ich habe gelesen, dass man da wo mit Zinn gearbeitet wurde nicht mehr Schweißen kann und es dann schwierig wird, da Zinn so schlecht zu entfernen ist.
Stimmt das oder ist das Unsinn?

LG Chris

Benutzeravatar
B.C.
Wohnt im T2!
Beiträge: 1946
Registriert: 05.05.2006 12:57
IG T2 Mitgliedsnummer: 490

Beitrag von B.C. » 16.07.2008 23:16

auf Zinn kann kann man natürlich nicht schweißen. Es muß erhitzt und runtergenommen werden oder mit einer Karosseriefeile/raspel.

Benutzeravatar
Benschpal
*
*
Beiträge: 1894
Registriert: 18.11.2007 17:32
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Nahe Wieselburg in Niederösterreich, Österreich

Beitrag von Benschpal » 16.07.2008 23:24

hey danke für die ausführlichen antworten!!!! :D

freut mich dass ein thread, der von mir gestartet wurde, zum workshop wurde..

ich werd mal mit nitro prüfen ob es sich um einen kunstharzlack handelt, ich hoffe aber nicht!!!

muss ich UNBEDINGT or dem spachteln grundieren?? oder hält der spachtel am angeschliffenen orig.lack nicht?
denn ich würd gern alles lackierfertig machen und dann eben lackieren...

und ich hab einen 2k spachtel, geht der jetzt auf blankem blech oder eher ned??

bensch
Bild
| T2a/b | ehem. Feuerwehrbus (Fensterbus) | Baujahr 1971 | 1.8 Liter |

Benutzeravatar
skipperfrank
T2-Süchtiger
Beiträge: 307
Registriert: 06.04.2008 22:20

Beitrag von skipperfrank » 16.07.2008 23:33

und manchmal reagiert auch der filler oder lack auf zinn. nicht sofort sondern nach einigen jahren. Kleine Bläschen können entstehen. ich find polyesterspachtel ganz prima.
cu
frank
1stes Mitglied der bayrisch-tyroler Inntalsplittergruppe der busfahrenden judäischen Volksfront.




.....JEHOVA.....JEHOVA.....

Michi t2b
T2-Kenner
Beiträge: 10
Registriert: 19.02.2008 00:19

Beitrag von Michi t2b » 17.07.2008 00:22

Man kann ohne Probleme aud rohes Blech spachteln. Solle man sogar.
Viel Spaß bei der Arbeit.

Benutzeravatar
bullimover
T2-Meister
Beiträge: 102
Registriert: 15.04.2008 22:01
IG T2 Mitgliedsnummer: 0
Wohnort: Tittling

Beitrag von bullimover » 17.07.2008 01:04

@ bensch

Du kannst natürlich auf angeschliffene Flächen mit Originallack direkt draufspachteln, wenn es kein Kunstharz ist. Die Grundierung wäre hier nicht sinnlos, aber überflüssig. Das Zeugs kostet schließlich auch Geld.
Die 2-K Grundierung brauchst Du nur auf blanke Stellen auftragen.
Mit einer Grudierung begünstigst Du die Haftbarkeit der Nächsten Schicht und noch wichtiger, Du isolierst diese damit gegenseitig voneinander.

Nach der Spachtlerei bitte die Rostschutzgrundierung nicht vergessen, da die darunterliegenden Komponenten sonst Feuchtigkeit anziehen. Dies führt sogar soweit, dass bei einer weggelassenen Rostschutzgrundierung z.b. die Spachtelmasse durch den neuen Lack minimale Feuchtigkeitsanteile anzieht und auf einmal mitten im Blech ne Roststelle oder kleine Bläschen enstehen. Sogar Neulack ist nicht zu 100% Wasser und gasdicht.
Den Filler nach Möglichkeit in ganzen Wagenteilen, oder an einer Kante - Falz - Naht, also ohne mittendrin abzusetzen aufsprühen. Die bei den Absätzen entstehenden Stufen wieder wegzuschleifen, ohne diese später als Fragment wieder zu erkennen, dürfte für einen Laien fast unmöglich sein. Daher vorsichtshalber ganze Teile sprühen. Ein Profi lässt dies mit einem gezielten Handgriff weich "auslaufen".

Eine bearbeitung der Spachtelmasse mit Wasserschleifpapier ist aufgrund der saugenden Eigenschaft zumindest für mich Nonnsens.
Sogar in einer Brennkammer wird man auf so einem kurzen Zeitraum die aufgesaugte Feuchtigkeit nur sehr schwer herausbekommen. Und da sind dann noch die Rückstände aus dem Wasser - Kalk, Salz, Verschutzungen usw... mit destiliertem Wasser schleift ja keiner, oder?

Zum zinnen kann ich nur wärmstens empfehlen, geschlossene Schuhe anzuziehen und Keine Sandalen. Das unweigerlich abtropfende keiße Zinn verursacht zwischen den Zehen wahnsinns Schmerzen :oops:
Natürlich ist in der Verzinnungspaste eine Säure enthalten, um das Blech chemisch rein zu machen und unter Zugabe von Hitze die Kappilarwirkung zu begünstigen. Die microfeinen Poren des Bleches werden gereinigt, damit das Zinn mit dem Blech "kontaktfreudig" wird.
Wie schon erwähnt eignet sich das verzinnen aufgrund der großen Zugabe von Hitze nur bedingt aufgrund des Materialverzugs. Es sei denn man verwendet wie die erfahrenen Karosseriebauer eine großen Lötkolben.
Aber das dauert..........:roll:

Gruß, Tom

P.S.: wer Schreibfehler findet, kann sie behalten.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 15 Gäste