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Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 10:49
von bulliralle
Moin Moin,
auf der Suche nach der Ursache für ungleichmässigen Leerlauf haben wir an meinem 1600er Typ 1 mit Doppelkanal die Kompression gemessen und dabei kam folgendes Bild raus:
Muss man sich da Sorgen machen oder gibts Zylinderköpfe mit so hoher Verdichtung? Normalerweis sollte dich ein Neumotor zwischen 8 und 10 bar haben und nicht 11? Habe mit ner Endoskopkamera in die Brennräume geschaut und keine Ölkohle festgestellt. Der Motor ist 2011 bei Heritage in England eingebaut worden und hat nachweislich bis jetzt 30.000 km runter. Macht sich das im Standgas bemerkbar, wenn die rechte Bank 2 bar mehr drückt als die linke? Ansonsten hab ich das komplette Zündgeschirr erneuert, einen anderen Vergaser eingebaut, da der alte arg ausgeschlagen war und Falschluft zog. Wenn ich das Standgas auf 850 einstelle, dann brauch ich nur einen Hauch nach links oder rechts weiterdrehen wo ich sofort eine Änderung von 100 Umdrehungen habe. Drehe ich weiter, ändert sich die Drehzahl nicht so gravierend.
Man hört , das alle paar Umdrehungen das Gemisch nicht optimal verbrennt. Er rumpelt etwas. Bin jetzt am Grübeln, obs am Vergaser oder an der unterschiedlichen Verdichtung liegt!?
Grüße

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 10:52
von bulliralle
Fällt mir noch ein:
Beim Ventile einstellen ist mir aufgefallen, dass der linke Zylinderkopf etwas bräunlich verfärbt ist und der Rechte wie neu aussieht.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 12:24
von MichaB
Hallo

Meine erste Vermutung, eine Seite mit und die andere ohne Kopfdichtung ?.
Die 11 Bar sind in der Tat etwas viel. Ist das auch die Seite mit dem verfärbten Kopf ?

#micha#

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 12:26
von bulliralle
Nein, das ist die Seite, die wie Neu aussieht!

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 14:54
von sham 69
Haben beide Köpfe die gleichen Nummern? Vielleicht einmal Langgewinde - einmal Kurzgewinde Zündkerzen oder andere Brennraumform, die Serienstreuung ist da nicht niedrig. Oder einfach unterschiedlicher Kolbenrückstand? Kopfdichtung ist beim Typ 1 eigentlich eher unüblich, der Kolbenrückstand wird in der Regel durch Unterlegringe unter dem Zylinderfuß korrigiert.
Kipphebelwelle ist beidseitig fest, Zylinderköpfe beidseitig korrekt angezogen?
Ich bin gespannt.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 15:20
von bulliralle
Nach den Schraubenverbindungen und Nummern werd ich nachher oder morgen früh nach schauen. Bin auch gespannt! Könnte ja sein, das der Kompritester generell zuviel anzeigt und der niedrige Wert von ner losen Schraubverbindung kommt. Das wäre ja schön einfach.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 15:41
von Norbert*848b
Hallo Ralf,
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:49
Normalerweis sollte dich ein Neumotor zwischen 8 und 10 bar haben und nicht 11?
Nunja, 8 - 10 ist die seinerzeitige Angabe von VW, wo die Motoren mit einer Verdichtung von 7,5 : 1 für Normalbenzin ausgelegt waren.
Heutige Motorenbauer gehen beim Bus mit Typ1 Motor doch gern bis zu 8,5 : 1, da es ja doch nur Superbenzin zu tanken gibt.
Ob da wirklich bei der zuletzt genannten Verdichtung heraus kommen könnten, weiß ich leider nicht, halte es aber durchaus für möglich.
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:49
Der Motor ist 2011 bei Heritage in England eingebaut worden...

Die arbeiten nach meinem Kenntnisstand mit dem Motorbauer SSP zusammen, da kann ich mir schlecht vorstellen, dass die bei der Kopfzusammenstellung irgendwie geschludert bzw. wild gemischt haben sollten.
Man weiß aber nie... Hast Du einmal geschaut, welche Bezeichnung die Köpfe haben (sollte man sehen, wenn die Zylinderkopfhaube abgenommen ist), Foto davon hier einstellen?
Meine Vermutung (Mutmaßung) ist, dass die rechte Zylinderbank die ursprünglichen Kompressionswerte hat, während die linke schon reichlich am Schwächeln ist.
VW gibt im Übrigen als Grenzwert max. 2 bar Druckunterschied an. Es ist also anzunehmen, dass da bei Deinem Motor etwas im Argen liegt, was man leider erst durch Zerlegen feststellen wird.
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:49
Ansonsten hab ich das komplette Zündgeschirr erneuert...

Auf die richtigen Widerstandswerte geachtet? (5 kOhm Verteilerfinger, 1 k Ohm Entstörstecker.)
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:49
einen anderen Vergaser eingebaut
Auch den passenden Vergaser für Dein MJ erwischt?
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:49
Man hört , das alle paar Umdrehungen das Gemisch nicht optimal verbrennt. Er rumpelt etwas.
Das ist per Ferndiagnose leider schlecht zu deuten. :?
Hast Du einmal die Zylinder einzeln abgeschaltet um herauszufinden, ob das "Rumpeln" bei einem bestimmten Zylinder auftritt?
viewtopic.php?f=16&t=16483#p232634
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 10:52
dass der linke Zylinderkopf etwas bräunlich verfärbt ist und der Rechte wie neu aussieht.

Die linke Zylinderbank läuft immer etwas heißer, das erklärt die Verfärbung und sollte m.E. nach erst einmal nicht großartig zur Beunruhigung führen.
sham 69 hat geschrieben:
21.09.2018 14:54
Zylinderköpfe beidseitig korrekt angezogen?
Das würde aber bedeuten, den Motor auszubauen und zu "strippen".
Falschluft beim Typ 1 Motor ist eigentlich überschaubar, da gilt es die Gummimanschetten zwischen Ansaugrohr und Saugstutzen zu kontrollieren und dir Dichtungen zwischen Saugstutzen und den Köpfen.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 15:53
von sham 69
Norbert*848b hat geschrieben:
21.09.2018 15:41
sham 69 hat geschrieben:
21.09.2018 14:54
Zylinderköpfe beidseitig korrekt angezogen?
Das würde aber bedeuten, den Motor auszubauen und zu "strippen".
Falschluft beim Typ 1 Motor ist eigentlich überschaubar, da gilt es die Gummimanschetten zwischen Ansaugrohr und Saugstutzen zu kontrollieren und dir Dichtungen zwischen Saugstutzen und den Köpfen.
Falschluft im Ansaugtrakt dürfte doch die Kompression nicht beeinflussen oder steh ich auf dem Schlauch?

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 16:16
von Norbert*848b
sham 69 hat geschrieben:
21.09.2018 15:53
Falschluft im Ansaugtrakt dürfte doch die Kompression nicht beeinflussen oder steh ich auf dem Schlauch?
Natürlich nicht. :D
Da hatte ich einen Gedankensprung zum Thema "unruhiger LL" und hatte leider versäumt, explizit darauf hinzuweisen. :(

Im Übrigen hatte ich einmal die Erfahrung gemacht, dass trotz 2 bar Unterschied, allerdings nur bei einem Zylinder, sich der LL immer noch gut einstellen ließ und ein durchaus stabiler und runder Motorlauf erreicht werden konnte. Bei gleichzeitig 2 schwächelnden Zylindern mag das natürlich anders aussehen, zumal die betroffenen auch noch hintereinander zünden.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 18:47
von T2 Grieche
.....moin
ob da nun 10 oder 11 bar steht ist ersteinmal nebensächlich!
ich würde , zumindest an den zylindern mit weniger! druck, einen kompressionsverlusttest machen!....
gruss
THEO

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 20:28
von bulliralle
Hey, erst mal Danke für die Einschätzungen!
Ich werde morgen die Ventildeckel runternehmen und die Nummern der Köpfe fotografieren und hier einstellen. Dann überprüfe ich nochmal das Ventilspiel. Ich war letzte Woche mit der Kiste im Zillertal und hatte vorher das Ventilspiel auf 0,2 mm eingestellt. Bin seit dem 1600km gefahren. Unter anderem mit 4 Personen den Gerlospass rauf. Hat er abgesehen von der dünnen Luft oben gut mitgemacht. Wenn ich will läuft der 120 auf der Bahn und er zieht auch gut wenn man das für nen 50 PS so sagen darf. Vergaser hab ich einen guten gebrauchten 34 Pict 3 drauf, wo ich den Schwimmerstand eingestellt habe, die Membranen und das Schwimmernadelventil getauscht habe. Düsen gereinigt , Drosselklappenwelle in Ordnung. Jedenfalle besser als beim alten Vergaser. Man kann aber doch zumindest an 4 der 8 Befestigungsmuttern kontrollieren, ob Sie mit 35 NM angezogen sind , ohne den Motor rauszunehmen, oder?

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 21.09.2018 21:47
von Matthias S.
Die Drosselklappe war voll geöffnet beim Messen? Wird gerne vergessen dann kommen solche Werte raus.
Grüße, Matthias

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 22.09.2018 00:20
von bulliralle
Eigentlich bin ich mir sicher, aber je länger ich drüber nachdenke...
Ich glaub ich leih mir am Montag das Köfferchen nochmal.

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 22.09.2018 01:10
von Norbert*848b
Hallo Ralf,
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 20:28
Wenn ich will läuft der 120 auf der Bahn und er zieht auch gut wenn man das für nen 50 PS so sagen darf.
Das hat nicht wirklich viel zu sagen, so meine Erfahrung. Meine Kiste lief nämlich auch noch ganz flott und dann dies. :?
viewtopic.php?f=16&t=16483#p245881
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 20:28
Vergaser hab ich einen guten gebrauchten 34 Pict 3
Ja, 34 PICT 3 ist aber nicht immer gleich 34 PICT 3, das ist leider nur die Grundtype, da wird gerne etwas verkannt. Für die unterschiedlichen Fahrzeuge sowie Baujahre von VW, gibt es da immer eine andere Düsenbestückung und auch andere fest eingepresste Röhrchen. Beim Bus z.B. ist insbesondere die geänderte und größer dimensionierte Vollastanreicherung interessant.
Das Metall-Fähnchen am Vergaser mit der Teilenummer (beim Bus mit 211 beginnend) ist schon einmal ein Hinweis und am Vergaserfuß wird noch der entsprechende Änderungszustand (abzuleitende Düsen / Bohrungsangaben) angegeben. :wink:
siehe auch (als Beispiel): http://www.oldtimerwensing.de/index.php?id=8
bulliralle hat geschrieben:
21.09.2018 20:28
Man kann aber doch zumindest an 4 der 8 Befestigungsmuttern kontrollieren, ob Sie mit 35 NM angezogen sind , ohne den Motor rauszunehmen, oder?
Ja, prinzipiell schon. Zum Einen aber bitte das entsprechende Drehmoment für die Stehbolzen berücksichtigen.
Bei 10ner Stehbolzen gilt für die Zylinderkopfmuttern 32 Nm und bei den 8er sind es nur 25 Nm!
Zum Anderen spielt auch das sog. Losbrechmoment eine Rolle. Erst ganz leichte Linksdrehung und dann mit dem entsprechenden Drehmoment festziehen.
Sollte es sich zeigen, dass die Muttern zu weit nachgezogen werden müssen, muss der Motor ausgebaut werden, um die Köpfe gleichmäßig nach geltender Vorschrift anzuziehen.
Matthias S. hat geschrieben:
21.09.2018 21:47
Die Drosselklappe war voll geöffnet beim Messen?
Nach meinen Erfahrungen ergibt das "nur" einen Messfehler von etwa - 0,6 bar.
bulliralle hat geschrieben:
22.09.2018 00:20
Ich glaub ich leih mir am Montag das Köfferchen nochmal.
… besser ist das. :D
Batterie voll geladen und dann entsprechend dieser Anweisung, Aufstellungen der gültigen Wartungsanleitungen (15) "13.1 Kompressionsprüfung" vorgehen:
http://limflug.de/de/support/downloads.php
(Bitte nicht dran stören, dass die Beschreibung für einen VW Flugmotor ist, aber etwas Schöneres und Zutreffenderes habe ich leider nicht für einen Fahrzeugmotor finden können. :D )

Re: Unterschiedliche Kompression

Verfasst: 22.09.2018 13:09
von Matthias S.
Norbert*848b hat geschrieben:
22.09.2018 01:10
Nach meinen Erfahrungen ergibt das "nur" einen Messfehler von etwa - 0,6 bar.
in diesem Fall mit dem Serienvergaser ja. Aber bereits bei Weber Vergaser oder den Einspritzern sieht die Sache ganz aus. Wenn dann vielleicht der Motor nicht Betriebstemperatur hatte kommt eins zum anderen.

Grüße, Matthias