Motor nach 12 Jahren Standzeit

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Martn
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Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Martn » 13.12.2019 17:39

Moin!

Der Bulli den ich erstehen konnte stand seit 12 Jahren in der Garage. Wir haben ihn auf einem Trailer zur mir transportiert.
Ich wüsste gerne ob der Motor noch in Ordnung ist.
Möchte ihn natürlich aber nicht einfach anschmeißen, da da wohl Zuviel kaputt gehen kann.
Wie würdet ihr vorgehen?
Öl Wechsel und mal anschmeißen das Ding?
Oder lieber ausbauen und alle teile überprüfen?
Oder ganz anders?
Freu mich über Tipps, ich hab zu sowas leider nichts gefunden :)
Fortsetzung folgt...

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Sytronic1987
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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Sytronic1987 » 13.12.2019 17:53

Moin Martin,

ich würde das Motoröl wechseln, die Zündkerzen raus drehen, damit der Motor ohne Kraft auf den Kolben frei drehen kann und ihn dann mit dem Anlasser so lange drehen lassen bis die Öllampe aus geht. Erst danach würde ich ihn mit Fremdsprit ausm Kanister und extra Filter starten. Eventuell noch n Schluck Öl in jedes Zündkerzenloch oder alternativ ne Ladung Sprühöl mit Röhrchen ins Zündkerzenloch. Allerdings wird er dann gut räuchern beim ersten Start. Das würde ich allerdings in Kauf nehmen ;).


Viele Grüße
Marvin

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Matthias S.
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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Matthias S. » 13.12.2019 18:21

Hallo Martin
Bisher ist alles richtig, ich würde noch den Öldruckschalter rausdrehen und beim ersten Leiern schauen ob da Öl kommt.
Vorher Ventilspiel und Zündung checken.
Wahrscheinlich hängen die Schwimmernadelventile, das merkt man gleich wenn der Vergaser überläuft.
Wenn dann der Motor Betriebstemperatur hat, Kompression messen um zu sehen ob die Ventile dicht sind und wenn er wieder abgekühlt ist nochmal Ventilspiel checken. Oder die Ölleckagen beheben, Stößelrohre und Simmerringe sind Kandidaten nach langer Standzeit.
Grüße, Matthias

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Norbert*848b
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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Norbert*848b » 13.12.2019 18:59

Hallo Martin,
Je nachdem wie lange der Motor trocken stand, können die Membranen von Vergaser, nämlich der Beschleunigerpumpe und der Benzinpumpe schon bretthart sein.
Beim einer Wiederinbetriebnahme können dann diese sehr schnell brechen und dann geht das mit der Benzinkleckerei los, was ja wohl akute Brandgefahr bedeuten würde.
Ich würde also besagte Bauteile erst auf Funktionstüchtigkeit testen wollen.

Das Durchdrehen lassen nur mit dem Anlasser sollte aber mit unterbrochener Zündung erfolgen (z.B. Klemme 1 von der Zündspule abnehmen, oder die Hochspannungsleitung von der Zündspule auf Masse legen). Auch würde es Sinn machen, die Spritzufuhr aus dem Tank schon jetzt zu unterbrechen und das aber auch bei entleertem Vergaser.
Ansonsten könnte das inzwischen angesammelte Kraftstoff-/Luftgemisch im Auspuff anschließend beim echten Startversuch zu einer kleinen Explosion führen und diesen bersten lassen, wenn er nicht gerade taufrisch ist. :? … Ja, ich weiß wovon ich rede. :schlaumeier:

Motoröl könnte man gleich wechseln, zumindest aber den Ölstand prüfen. Nach dem ersten Probelauf von etwa einer viertel Stunde, sollte ohnehin bei noch warmen Motor das alte Öl gegen neues getauscht werden. Dazu kommen natürlich Ölsiebreinigung bzw. auch noch Filterwechsel beim Typ 4 Motor.

Was eher selten ist, aber auch schon vorkam, sind Flammenrückschläge in den Vergaser, verursacht vermutlich von schwer gängigen Einlassventilen. Es macht also Sinn, den Motor auch nur mit aufgesetztem Luftfilter laufen zu lassen. Ferner kann es nicht schaden, einen Feuerlöscher für den Fall der Fälle bereit zu stellen. :wink:

Die Fahrzeugbatterie sollte am besten wohl auch gleich neu genommen werden, so denn der Zustand fraglich ist. Es ist sehr risikobehaftet, die alte ggf. mittels Starthilfe zu unterstützen.
Liegt nämlich ein Zellenschluss bei der alten Batterie vor, so kann diese schnell einmal explodieren, alles schon passiert mit dem tragischem Ende, dass der Bus abfackelte.
Freundliche Grüße aus Algermissen

Norbert

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von TEH 29920 » 13.12.2019 19:58

...und die Benzinleitung von der Benzinpumpe abziehen - die Leitung die zum Motor geht und eine lange aufstecken und das Benzin welches die Pumpe hoffentlich fördert separat in einem Gefäß sammeln.
So kannst Du schaun ob die Pumpe fördert wenn Du den Motor durchdrehen lässt und gleichzeitig wird der Motor nicht mit Benzin überflutet.
Das Benzin würde ich vor dem finalen Startversuch komplett ablassen und durch frisches ersetzen.

Durch die Zündkerzenöffnungen würde ich WD40 sprühen und das ein paar Tage einwirken lassen.

Der Anlasser ist nicht für Dauerbetrieb geeignet. Vielleicht 10 Sekunden orgeln und dann wieder eine Pause machen.

Wenn er läuft unbedingt auf Benzinlecks achten. Benzinleitungen spätestens dann durch gute neue ersetzen.

Gruß Bernd

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Duetto
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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Duetto » 13.12.2019 21:10

Das habe ich neulich zufällig gesehen:

https://youtu.be/QZx3ATxTNKw

Der Typ hat jetzt nicht sooo viel Ahnung, er führt aber einige sinnvolle Aktionen durch. Es handelt sich bei dem Objekt zwar um einen T1, trotzdem ist es ganz informativ und unterhaltsam.

Gruss,
Uli

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von TEH 29920 » 13.12.2019 21:35

Duetto hat geschrieben:
13.12.2019 21:10
Der Typ hat jetzt nicht sooo viel Ahnung, er führt aber einige sinnvolle Aktionen durch. Es handelt sich bei dem Objekt zwar um einen T1, trotzdem ist es ganz informativ und unterhaltsam.
Haaaa der Rosty. Der macht das mit den alten Autos die ewig irgendwo rumgestanden sind öfter.
Findest Du das der keine oder wenig Ahnung hat?

Gruß Bernd

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von TEH 29920 » 13.12.2019 21:37

Martn hat geschrieben:
13.12.2019 17:39
Der Bulli den ich erstehen konnte stand seit 12 Jahren in der Garage. Wir haben ihn auf einem Trailer zur mir transportiert.
Ist das der orange-weiß Westi aus eine Tiefgarage in München glaube ich...

Gruß Bernd

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Duetto
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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Duetto » 13.12.2019 21:56

TEH 29920 hat geschrieben:
Duetto hat geschrieben:
13.12.2019 21:10
Der Typ hat jetzt nicht sooo viel Ahnung, er führt aber einige sinnvolle Aktionen durch. Es handelt sich bei dem Objekt zwar um einen T1, trotzdem ist es ganz informativ und unterhaltsam.
Haaaa der Rosty. Der macht das mit den alten Autos die ewig irgendwo rumgestanden sind öfter.
Findest Du das der keine oder wenig Ahnung hat?

Gruß Bernd
Das mit dem T1 habe ich zuerst gesehen und fand es weitgehend sinnvoll. Danach sah ich das mit dem Karmann, da kommt er mir doch weniger sinnvoll vorgehend vor .

Etwas O.T. : die Rostbekämpfung an den Längsträgern des T1 fand ich auch eher typisch amerikanisch: wir schmieren da was drauf und alles wird gut. Obwohl - vielleicht reicht das ja in Florida auch aus...

Gruss,
Uli

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Norbert*848b » 14.12.2019 03:09

TEH 29920 hat geschrieben:
13.12.2019 19:58
Der Anlasser ist nicht für Dauerbetrieb geeignet. Vielleicht 10 Sekunden orgeln und dann wieder eine Pause machen.
:gut:
So steht es auch in der Knappmann-Sammlung irgendwo beschrieben, 10 Sekunden orgeln, dann 50 sec. Pause machen und dann eben wieder einen erneuen Versuch starten. :mrgreen:
Freundliche Grüße aus Algermissen

Norbert

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Martn » 14.12.2019 12:31

Männer, ihr seid ja der Wahnsinn!
Einmal kurz ungedreht und Zack so ausführliche Antworten.
1000 Dank dafür.
Ich werd die Umsetzung wohl erst im neunen Jahr schaffen.
Bin super gespannt und freu mich eure Tipps umzusetzen.
Bericht wird dann folgen und eventuell gibt es Rückfragen 😅
Fortsetzung folgt...

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Re: Motor nach 12 Jahren Standzeit

Beitrag von Bullischorsch » 14.12.2019 21:01

Moin Martin,

meiner hat auch 12 Jahre gestanden. Erster Startversuch nach 12 Jahren Standzeit
Ich habe vor dem ersten Startversuch ein paar Sachen gemacht, die ohnehin anstehen. Den Winter über hatte ich die Vergaser gereinigt, alle Spritschläuche getauscht, auch die Gummiteile von der Tankentlüftung, sowie Teile der Zündung erneuert (Kabel, Kerzen, Verteilerkappe und Zündspule), weil das alles korrodiert war.
Nach Ölwechsel hat es mit neuer Batterie und etwas orgeln dann schnell geklappt mit dem Start. Viel mehr habe ich seitdem auch nicht mehr am Motor gemacht, und über den Sommer hat er mich jetzt 6.000 km nicht im Stich gelassen :jump:
Membran der Benzinpumpe und Beschleunigerpume halten auch, erstere habe ich aber als Ersatzteil dabei. Vielleicht habe ich aber auch Glück gehabt...

Gruß
Georg
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