schon lange habe ich mich für einen Tempomat für den Bus interessiert und mich hinsichtlich Waeco und Rostra schlau gemacht.
Nachdem Waeco nicht mehr verfügbar und gebraucht sehr teuer ist, hatte ich zu Beginn mit dem Rostra geliebäugelt. Dazu gab es hier viewtopic.php?p=291425 ja schon einen tollen und interessanten Beitrag (vielen Dank an Niko alias Frank_Hopfner). Der Rostra ist allerdings mittlerweile auch nicht mehr so günstig und es muss ein elektronisches Geschwindigkeitssignal verfügbar sein.
Da bin ich über den Zemco AP-500 gestolpert. Das scheint ein Nachbau eines der anderen Modelle zu sein und ich habe den in den Niederlanden bei https://karlspielberger.de/produkt/ap-5 ... -tempomat/ bestellt. Positiv zu bemerken ist, dass der mit Geschwindigkeits- oder Drehzahl-Signal zurechtkommt und sowohl Servo, Steuergerät, als auch das mitgelieferte Befestigungsmaterial äußerst robust daherkommen.
Die Installation ist natürlich nicht Plug&Play und man muss ein bisschen basteln
Sicherheitsschalter:
Man braucht für das Kupplungspedal und das Bremspedal jeweils ein Signal, um den Tempomat abzuschalten.
Das Signal für die Bremse muss an Klemme 15 und an der Leitung vom Bremslichtschalter zu den Bremslichtern abgegriffen werden. Ersteres holt man sich am Sicherungskasten und letzteres kann man gut am großen 8-poligen Stecker oben an der Lenksäulen-Befestigung abgreifen.
Für das Kupplungssignal habe ich den berührungslosen Reed-Kontakt mitbestellt und einen kleinen Halter für den Magneten gebaut, um ihn am Kupplungspedal zu befestigen. Das geht sicher auch mit den mitgelieferten Kabelbindern, aber das war mir zu heikel. Den Schalter selbst habe ich an einem gebastelten Halter befestigt. Das muss alles nicht super-perfekt passen und verzeiht auch einen etwas größeren Abstand.
Servo-Befestigung:
Der Servo betätigt über einen Bowdenzug letztendlich den Gaszug. Den Servo selber habe ich mit den massiven mitgelieferten Befestigungen und ein paar Nietmuttern an den vorhandenen Löchern der Lenkgetriebe-Befestigung (für Rechtslenker) am rechten Träger angeschraubt.
Steuergerät:
Das Steuergerät residiert bei mir oberhalb des Frischluftkanals gleich links vom Sicherungskasten. Leider kein Foto gemacht.
Bedienelement:
Als Bedienelement habe ich das kleinste Modell gewählt und auf ein kleines angefertigtes Blech geklebt und an der linken Lenkrohr-Befestigung mit verschraubt. Ist nicht unbedingt zeitgemäß, aber stört mich auch nicht.
Ansteuerung Gaszug:
Etwas herausfordernder war die Ansteuerung des Gaszugs. Ich habe eine Buttys-Bits-Mechanik und habe mir dazu einen Ansteuer-Winkel gebaut. Position, Länge und Winkel hängt von der Betätigungsstrecke des Gaszugs ab. Also effektiven Weg messen und schauen, welcher Betätigungsweg bzw. effektiver Winkel am besten passt (es gibt unterschiedliche Scheiben für den Servo, die den Betätigungsweg vorgeben). Ich habe mich für den mit dem größten Weg entschieden, da meine 36-40er Doppelvergaser recht viel Kraft zum Betätigten benötigen und mehr Betätigungsweg weniger notwendige Kraft bedeutet. Wenn man das so verbaut, dann betätigt der Servo den Gaszug und das Gaspedal bewegt sich wie von „Zauberhand“ mit… Es liegt aber genug Befestigungsmaterial bei, um hier auch eine andere Lösung zu finden.
Bowdenzug:
Danach muss man noch den Bowdenzug verlegen und die Position des Kabels im Bezug zur Pedalmechanik bestimmen. Auch hier habe ich Nietmuttern verwendet, vor dem Gaspedal ein paar Löcher ins Bodenblech gebohrt und mit dem mitgelieferten Material einen Halter gebastelt. Hier noch ein Blick auf die gesamte Mechanik, es fehlt auf dem Bild aber noch die Abdeckung für den Servo und die Verkabelung: Der Servo kann sicher auch hinter den Kick-Panels verbaut werden, der Bowdenzug ist definitiv lang genug. Auch eine Montage im Motorraum ist denkbar. Das Kürzen des Bowdenzugs war aber nicht so einfach. Der Mantel ist schnell sauber mit der Trennscheibe gekürzt, aber das Kabel selber ist aus Edelstahl und lässt sich nicht verlöten, um es vor dem Aufrippeln zu bewahren. Ich habe das dann mit dem MIG/MAG-Schweißgerät und ordentlich Strom doch noch hinbekommen
Geschwindigkeitssignal
Letztes Puzzleteil ist das Geschwindigkeitssignal. Hier bietet das Zemco die Möglichkeit an, einfach das Drehzahl-Signal zu nutzen. Es gibt ein Niederspannungs-Signal (das nutze ich, da ich eine TSZH-Zündung habe, die dieses Signal anbietet) und ein hochvoltiges Signal, das man direkt an der Zündspule abgreifen kann.
Kalibrierung:
Wenn alles verkabelt und installiert ist, dann muss man eine kurze Kalibrierung durchführen. Ich habe da nicht mehr viel korrigieren müssen und bin mit dem Resultat mehr als zufrieden! Der Tempomat übernimmt schnell und regelt nicht zu nervös.
Fazit:
Alles in allem nicht günstig, aber ein sehr schöner Komfort-Gewinn. Und bis auf die paar Löcher im Bodenblech auch einfach rückrüstbar. Bei mir werkelt ein etwas kräftigerer Typ4 im Bus, damit funktioniert der Tempomat auch bei Steigungen ganz gut. Wenn er dauerhaft die Geschwindigkeit nicht halten kann, dann schaltet sich der Tempomat ab.
Leichte Zeit
Timo




