Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

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sandkastenheld
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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von sandkastenheld »

Moinsen,

ich habe genau so eine VEB PSZ10 (Dresdner Transform.-Werke) wieder zum Laufen gebracht. Sie läuft auf 230, sowie 380V und du benötigst die bereits genannten Schutzmaßnahmen.
Arme, sowie Elektroden waren nicht mehr dabei, diese habe ich selbst gebaut. Es hat etwas gedauert, bis ich ein - für meine Zwecke - zufriedenstellendes Ergebnis erzielt habe. Eine Bedienungsanleitung, bzw. Dokumentation darüber zu finden, war für mich Aussichtslos.

Arme: 16mm Kupferstange
Elektroden: 10mm Kupferstange
Elektrodenkappen: Wolframlegierte Kupferhütchen

Die Arme je nach Verwendungsort (ich habe mehrere Sets in Planung) auf Länge bringen und an einem Ende ein Loch als Elektrodenaufnahme bohren. An diesem Ende noch ein kleines Loch seitlich oder an der Spitze bohren, Feingewinde reindrehen, damit du die Elektroden nachher mit einer Schraube im Arm fixieren kannst und sie durch den Anpressdruck nicht verrutschen. Dann die Elektroden nach eigenen Ansprüchen längen, ggf. biegen (s. Robins Foto). Arme, Elektroden, sowie die Aufnahmen am PSZ gründlich reinigen, entfetten. Vor dem Einsetzen der Arme diese und die Aufnahme mit Graphit schmieren. Arme, mit Elektroden einsetzen und ausrichten. Abschließend die Kappen aufsetzen.

Es geht auch ohne Kappen, allerdings habe ich sehr schlechte Erfahrung mit Elektrodendurchmesser <10mm. Hab schon Vieles probiert und 10mm Durchmesser ist super.

Da der Gerät kein Schweißzeitautomaten hat, musst du einfach mal an zwei sauberen 1mm Dummyblechen austesten, wieviel Druck und Zeit bei wieviel Volt du brauchst. Achtung, am Anfang Schutzkleidung antrecken, da es noch Funken könnte.

Bei der 380V-Einstellung bruzelt es mir bei 2x1mm Blech gut Löcher rein.
Meine Einstellung für 2x1mm Tiefziehblech ist so:

- Stufe I: 230V
- Hoher Anpressdruck
- 1,5 Sek

Fazit: Das Gerät tut, was es soll. Habe es für 150€ inkl. Versand erstanden, natürlich gebraucht. Habe es sicherheitshalber von einem Elektriker durchmessen lassen, bspw. auf Masseschluss, anschließend hat er es mit einem Drehstromanschluss (4mm2 glaube ich) neu verkabelt. Da ich keinen Vergleich zu neuen (wesentlich teureren) Geräten habe, kann ich nur sagen, dass es für mich den laienhaften Hobbyschrauber vollkommen ausreicht. Das Eigengewicht ist zusätzlich ein tolles Training für die kommende Saison... :surprised: Empfehlenswert ist es, die Arme, sowie Elektroden selbst zu bauen. Man zahlt lediglich den Kupferpreis und investiert etwas Arbeitszeit. Hinsichtlich der Preise für Armpaare (150€ plus) eine lohnenswerte Geschichte. DIe legierten Kappen kann ich nur empfehlen. Bezugsquellen weiß ich nicht, habe einen Karosseriebaumeister im Freundeskreis, der manchmal was in der Tasche verschwinden lässt, was dann bei mir in der Werkstatt wieder auftaucht :shock:
Wenn man nicht an die Kappen rankommt, kann man die Elektroden auch abrunden. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man einen Mittelweg aus stumpf- und spitzwinkliger Rundung anstrebt, um die Werkstücke optimal zu penetrieren. Achtung beim Herausarbeiten der Rundung. Ich feile die händisch runter und benutze keine Schleifscheibe, da aus dem Korrund Siliziumkarbid in das Kupfer dringt was später zum Spratzeln und Funken beim Schweißen führen kann.

Viel Erfolg beim Erfahrung sammeln!

Im Anschluss immer die Zerreisprobe machen, dabei sollte nur der Schweißpunkt stehenbleiben - dann hälts.

Beste Grüße,

Thorben
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Gruß,

Thorben

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micha_ab
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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von micha_ab »

Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Ich habe mir nun auch die gebrauchte PSZ 10 gekauft. :) Auf den Fotos habe ich allerdings keinen Hinweis gesehen, dass das Gerät ebenfalls mit 220 V betrieben werden kann. Ich hoffe, dass der Betrieb mit 380V dann trotzdem auch zu bewerksteligen ist...

Ich berichte sobald ich das Gerät bekommen und die ersten Tests gemacht habe.

Viele Grüsse Micha
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sandkastenheld
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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von sandkastenheld »

Moin Moin,

meine PSZ 10 ist unrettbar abgeraucht. Die Spule hat sich aufgelöst, nachdem der Bakelitunterbrecherkontakt einen Kurzen bekommen hat. Ich war schon in einem Betrieb, die Spulen wickeln und eingießen. Aber die lassen die Finger davon.

Ich habe mir nun eine neue gekauft und gehöre nun zu den ärmsten Menschen der Welt. Aber es geht weiter mit Schweißzeitbegrenzer - absoluter Luxus, aber man lernt dabei nicht mehr so viel. Aber Luxus matters :thumb:

Wer von euch die Ersatzteile meiner Psz 10 benötigt, kann sich gerne melden. Ich schicke euch den ganzen Klöterkram. Gebt mit Versand und eine Kleinigkeit (z.B. einen zerrockten Verteiler oder eine Stange Snickers) - das macht mich glücklich.
Gruß,

Thorben

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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von micha_ab »

Was für ein Gerät ist es denn geworden?
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sandkastenheld
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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von sandkastenheld »

Moin Micha,

aus der Not heraus ist es das "billigste" Neugerät geworden, welches auf dem Markt ist. Hersteller ist Telwin aus Italien.
Glasgooglest du in der Bucht mal "Punktschweißzange Digital Modular 400 Timer Punktschweißgerät inkl. 120 mm Arme".

Das Gerät macht schon einen recht stabilen Eindruck, hat einige Einstellungsmöglichkeiten im Timer. Es ist recht leicht - auch für meine Spaghettiarme. :wink:
Es tut, was es soll und macht Spaß. Meine alten Elektroden konnte ich mit einer selbstgebauten Kupferhülse ebenfalls problemlos nutzen.

Ich kann es bisher empfehlen. Habe damit das Stehlblech von dem Gurtaufnahmenblech hinter dem Vordersitz, einen kompletten Radlauf fahrerseitig (über 90 Punkte!) und einen Scheibenrahmen unfallfrei schweißen können.

Einziges Manko: das Gerät hat keinen An-Aus-Schalter. D.h. du musst es immer wieder vom Strom abziehen. Ich vergesse das manchmal....darf mich dann nur nicht drauf abstützen oder so. :unbekannt:
Gruß,

Thorben

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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von T3 Freak »

Hallo,
ich habe mir eine DDR Punktschweißzange mit dem dazugehörigen Schweißzeitbegrenzer ES 15 U zugelegt, leider läuft das Gerät auf 220 Volt und schafft noch nicht einmal zwei 1 mm starke Stahlbleche zufriedenstellend zusammen zu heften.Kann mir jemand sagen oder besser vielleicht ein paar Bilder schicken, was zu tun ist um es auf 380 Volt laufen zu lassen.
Für Tipps wäre ich sehr dankbar.
Lg Andreas
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Re: Punktschweisszange: 220V oder 380V ?

Beitrag von BulliBen32 »

Hallo Leute,

habe jetzt auch eine PSZ 10 erstanden, Zustand wirklich super, sieht fast ungebraucht aus.
Allerdings hat jemand das Kabel abgeschnitten. Jetzt ist die Frage nach der Belegung. Es scheint noch das originale Kabel gewesen zu sein, das sieht man auch innen an den Farben und den Kabelschuhen.

So wie es aktuell innen aufgelegt ist, macht es allerdings keinen Sinn. Egal wie man L1, L2 und N anschließen würde, es würde einen Kurzschluss geben. Ich bin selbst Elektriker, also grundsätzlich kein Problem, aber hier hat definitiv jemand etwas umgebaut.

Vermutlich wurde deshalb auch das Kabel abgeschnitten, denn wenn man das so eingesteckt und eingeschaltet hätte, hätte es einen sauberen Kurzschluss gegeben.

Es sieht so aus, als hätte jemand das Gerät umgebaut, um es extern z. B. über einen Timer auszulösen, da an beiden Enden vom Schalter ein Kabel hängt, das zum Stecker geht. So wie es jetzt ist, würde es aber unabhängig von der Belegung in einer CEE dose immer einen Kurzschluss geben.

Hat vielleicht jemand ein Bild vom Innenleben bzw. der originalen Verdrahtung? Mir ist nicht ganz klar, wie die Stufen mit den zwei Wicklungen geschaltet werden.

Wäre euch sehr dankbar. Ist auch nicht schwierig zu öffnen, einfach die vier Schrauben lösen und vorne die lange Schraube vom Gestänge raus, dann kann man es aufklappen.

Danke
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