Fahrwerk-Problem VW T2ab

Technische Fragen und Antworten, Tipps und Tricks für Profis und Bastler. Hier sind die "Fachleute" am Werk.
Benutzeravatar
boggsermodoa
Wohnt im T2!
Beiträge: 7418
Registriert: 22.12.2003 10:53
IG T2 Mitgliedsnummer: 0

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von boggsermodoa »

Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:23 Der eine geht ja einfach in die linke B-Säule. Aber halt erst nach ca. 10min nach Abschalten des Motors.
Nö, der geht da immer rein. :schlaumeier:

scnr :wink:

Das Sicherheitsding hat in der Mitte eine Membrane, die es in zwei Räume trennt. Der Motor saugt in beide einen Unterdruck. --> Kräftegleichgewicht. Wenn du die Bremse betätigst, öffnet ein Ventil, das in der pedalseitigen Kammer den Atmosphärendruck einströmen lässt.
--> Kraft Richtung Kolben des HBZ. Das ist die Bremskraftunterstützung.

Wenn die Membrane defekt, der Schlauch abgerissen oder der Motor aus ist, dann fehlt halt diese Unterstützung. Die Bremse funktioniert weiterhin, braucht aber mehr Pedaldruck.
Wenn jedoch, so wie ich vermute, in der pedalseitigen Kammer kein Unterdruck aufgebaut wird, dann hast du dieses o.g. Kräfteungleichgewicht permanent, wenn der Motor läuft. Also ständig eine Kraft Richtung HBZ, auch wenn du das Pedal nicht berührst.

Auch dein sich veränderndes Pedalspiel ist ein deutlicher Hinweis in diese Richtung.
Benutzeravatar
boggsermodoa
Wohnt im T2!
Beiträge: 7418
Registriert: 22.12.2003 10:53
IG T2 Mitgliedsnummer: 0

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von boggsermodoa »

Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:23 Ich nehme mal an, dass ein defekter BKV die Bremsen nicht blockieren kann.
Ach so, das noch: Jeder der beiden Kolben des HBZ gibt in der Ruhestellung zwei kleine Bohrungen zum Vorratsbehälter frei, nämlich die Ausgleichs- und die Nachlaufbohrung. Dadurch fließt Bremsflüssigkeit in den jeweiligen Kreis nach, wenn durch Belagverschleiß die Kolben der Radbremszylinder wandern oder wenn du pumpen musst, um überhaupt erst mal hydraulischen Druck aufzubauen. Durch die Nachlaufbohrung kann auch Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter zurückfliessen, wenn sie sich z.B. wegen Erwärmung ausgedehnt hat.

Und - jetzt wird's spannend - diese Bohrung wird nur in der Endlage/ Ruhelage freigegeben! Überall sonst ist sie verschlossen, sonst könnte sich ja kein Druck aufbauen. Das ist der kleine Pedalweg, den du zurücklegen musst, bevor du einen hydraulischen Gegendruck im Pedal verspürst. Auf diesem Weg wird die Bohrung vom Kolben überfahren, und ab dann ist das hydraulische System dicht und hat keine Verbindung mehr zum Ausgleichsbehälter.

Wenn die Dinge nun so sind, wie ich vermute, dann schiebt die BKV-Membrane die Kolben im HBZ leicht nach vorne, weswegen die Beläge schleifen, die Bremsen warm werden und die Bremsflüssigkeit grillen. Die dehnt sich folglich aus, aber kann nicht zurückfliessen. Erst dadurch blockieren irgendwann die Radbremsen, nicht durch das bisschen Druck vom defekten BKV.
Benutzeravatar
Maribus
T2-Süchtiger
Beiträge: 150
Registriert: 04.04.2020 10:38
IG T2 Mitgliedsnummer: 134

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von Maribus »

Ist ja cool. In diesem Forum kann man sich selber antworten :D
Also:
1.
Den Stössel in die andere Richtung verschieben, hat gar nichts gebracht. Ist jetzt noch schlimmer. Nach 10km ringsum alles heiss.
2. Weiter habe ich mal vorne links an der Bremszange entlüftet und der Nachfüllbehälter hat sich brav entleert. Daher denke ich, dass das auch umgekehrt ok ist.
Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:20 Daher meine Frage: wenn ich die Position der Stösselstange gegenüber dem BKV verändere, was passiert da genau?
Es hat eine Überwurfmutter SW22 gegen die SW19-Mutter am BKV verstemmt. Wenn ich die Stösselstange weiter rausschraube, dann entsteht innerhalb der Verbindung BLV zu HBZ mehr "Luft" zum Stössel des HBZ? Kann das jemand bestätigen?
PS: Da hat es bei uns beim Händler einen tollen KDF-Käfer ausgeschrieben. Die haben doch Seilzugbremsen, nicht? Vielleicht nimmt der einen T2 Bus in Zahlung :twisted:
T2ab Westi in sierragelb - jetzt wieder mit korrekter Front :D
Benutzeravatar
bullimanie
T2-Süchtiger
Beiträge: 155
Registriert: 01.07.2003 21:07
IG T2 Mitgliedsnummer: 863

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von bullimanie »

Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:20
bulli71 hat geschrieben: 08.08.2026 13:10
Ob BKV oder nicht, checke mal die Einstellung der Schubstange zwischen Bremspedal und HBZ. Das Pedal muss aus eigener Kraft ganz nach oben auf Anschlag gehen, und die Stange darf keinen (!!!) Druck auf den HBZ ausüben.
Ich greife das nochmal auf. Die Verbindung zwischen dem HBZ und dem BKV wurde nie gelöst. D.h. alles wurde wieder am Stück eingebaut..Vorher traten keine Probleme an der Bremserei auf. Aber der Abstand zwischen HBZ und Pedalerie ist verändert worden, da die Vorderachse draussen war und nach dem Einbau kaum genau gleich positioniert ist wie vorher.

Daher meine Frage: wenn ich die Position der Stösselstange gegenüber dem BKV verändere, was passiert da genau?
Es hat eine Überwurfmutter SW22 gegen die SW19-Mutter am BKV verstemmt. Wenn ich die Stösselstange weiter rausschraube, dann entsteht innerhalb der Verbindung BLV zu HBZ mehr "Luft" zum Stössel des HBZ? Kann das jemand bestätigen?
Hallo Maribus,

ich bin nicht sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Falls nicht, dann einfach ignorieren.
Du änderst nur die Länge der Bremsdruckstange. Damit kannst du die Bautoleranzen ausgleichen um sicherzustellen dass die Bremse nicht ungewollt schon leicht betätigt wird und damit die Pedalseite belüftet würde.

Zur Einstellung der Bremsdruckstange den Bolzen am Gabelkopf entfernen und dann die Kontermutter 22mm lösen. Dann die Länge der Bremsdruckstange durch Drehen anpassen bis der Bolzen am Gabelkopf leicht reingeht. Wie Thorsten schon sagte: Die Stange darf im Nullzustand keinen Druck ausüben!

Wenn dein Problem allein von einer falschen Einstellung der Bremsdruckstange herrühren würde, müsste ein Blockierzustand wegen Erwärmung aus meiner Sicht nach Lösen/Ausbau der Druckstange sofort verschwunden sein.

Gruß Gregor

Vielleicht hilft das hier ja auch:https://www.youtube.com/watch?v=cP1B9wSgB1I
1978 Westfalia US-Campmobile P22 (Weekender), 2 l Einspritzer mit Automatikgetriebe
1975 Westfalia Helsinki, 1,6 l Turbodiesel (nicht fahrbereit, die erwachsenen Töchter drängeln jedoch immer mehr...mal sehn)
Benutzeravatar
boggsermodoa
Wohnt im T2!
Beiträge: 7418
Registriert: 22.12.2003 10:53
IG T2 Mitgliedsnummer: 0

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von boggsermodoa »

Ich habe mir jetzt den Mund fusselig geredet, aber du scheinst nicht zu verstehen.
Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 19:43 2. Weiter habe ich mal vorne links an der Bremszange entlüftet und der Nachfüllbehälter hat sich brav entleert. Daher denke ich, dass das auch umgekehrt ok ist.
Mach genau dies nochmal, aber lass währenddessen den MOTOR LAUFEN!

Wenn sich dann der Ausgleichbehälter immer noch brav entleert, dann liege ich falsch. Tut er das jedoch nicht, dann ist bewiesen, was ich vermute und oben beschrieben habe.
Benutzeravatar
Maribus
T2-Süchtiger
Beiträge: 150
Registriert: 04.04.2020 10:38
IG T2 Mitgliedsnummer: 134

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von Maribus »

boggsermodoa hat geschrieben: 08.08.2026 18:13
Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:23 Der eine geht ja einfach in die linke B-Säule. Aber halt erst nach ca. 10min nach Abschalten des Motors.
Nö, der geht da immer rein. :schlaumeier:

scnr :wink:
Jaa, so kann man das auch lesen :-)
boggsermodoa hat geschrieben: 08.08.2026 18:13 Das Sicherheitsding hat in der Mitte eine Membrane, die es in zwei Räume trennt. Der Motor saugt in beide einen Unterdruck. --> Kräftegleichgewicht. Wenn du die Bremse betätigst, öffnet ein Ventil, das in der pedalseitigen Kammer den Atmosphärendruck einströmen lässt.
--> Kraft Richtung Kolben des HBZ. Das ist die Bremskraftunterstützung.

Wenn die Membrane defekt, der Schlauch abgerissen oder der Motor aus ist, dann fehlt halt diese Unterstützung. Die Bremse funktioniert weiterhin, braucht aber mehr Pedaldruck.
Wenn jedoch, so wie ich vermute, in der pedalseitigen Kammer kein Unterdruck aufgebaut wird, dann hast du dieses o.g. Kräfteungleichgewicht permanent, wenn der Motor läuft. Also ständig eine Kraft Richtung HBZ, auch wenn du das Pedal nicht berührst.

Auch dein sich veränderndes Pedalspiel ist ein deutlicher Hinweis in diese Richtung.
Also das ist jetzt mal eine richtig gute Antwort. Da ich nicht wusste, wie das Ding funktioniert, ist das jetzt echt mal ein super Ansatz!
Danke :dance:
D.h. heisst, wenn ich jetzt mal ohne BKV rumfahre, d.h. den Unterdruckschlauch am BKV abhänge, dann müsste der BKV auch im Gleichgewicht sein und die Ausgleichsbohrungen im HBZ müssten ergo offen bleiben, bzw. nix heiss werden.
Hab ich das richtig verstanden?
T2ab Westi in sierragelb - jetzt wieder mit korrekter Front :D
Benutzeravatar
Norbert*848b
*
*
Beiträge: 7769
Registriert: 30.10.2013 22:57
IG T2 Mitgliedsnummer: 848

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von Norbert*848b »

Hallo Marius,
hab ich es jetzt überlesen, oder ist dazu bislang nichts angemerkt? Mit welchem Ergebnis ist dann der übliche BKV Test ausgegangen? Den kennst Du? Im Netz finden sich da Hinweise (Motor aus, Bremse mehrmals treten, dann bei getretener Bremse Motor starten, Bremspedal sollte nach unten gezogen werden). Soweit mein Kurztext.

Die Restauration liegt ja schon weiter zurück und zwischendurch warst Du ja in HO gewesen, wenn ich das Recht in Erinnerung habe und da traten derweil keine Probleme auf?

BTW: Den Ausführungen von Clemens kann ich mich soweit anschließen. Die Entlueftungs-Bohrung in Verschluss vom Nachfüll-Behaelter sollte man auch schnell überprüfen können, notfalls den Deckel nur leicht aufsetzen und nicht ganz festziehen, das sollte reichen.
Freundliche Grüße aus Algermissen

Norbert

Hab hin und wieder "Versager" und "Verzweifler" im reviedierten Zustand für den 50 PS Bus-Motor anzubieten.
Benutzeravatar
Maribus
T2-Süchtiger
Beiträge: 150
Registriert: 04.04.2020 10:38
IG T2 Mitgliedsnummer: 134

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von Maribus »

bullimanie hat geschrieben: 08.08.2026 20:02
Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 17:20
bulli71 hat geschrieben: 08.08.2026 13:10
Ob BKV oder nicht, checke mal die Einstellung der Schubstange zwischen Bremspedal und HBZ. Das Pedal muss aus eigener Kraft ganz nach oben auf Anschlag gehen, und die Stange darf keinen (!!!) Druck auf den HBZ ausüben.
Ich greife das nochmal auf. Die Verbindung zwischen dem HBZ und dem BKV wurde nie gelöst. D.h. alles wurde wieder am Stück eingebaut..Vorher traten keine Probleme an der Bremserei auf. Aber der Abstand zwischen HBZ und Pedalerie ist verändert worden, da die Vorderachse draussen war und nach dem Einbau kaum genau gleich positioniert ist wie vorher.

Daher meine Frage: wenn ich die Position der Stösselstange gegenüber dem BKV verändere, was passiert da genau?
Es hat eine Überwurfmutter SW22 gegen die SW19-Mutter am BKV verstemmt. Wenn ich die Stösselstange weiter rausschraube, dann entsteht innerhalb der Verbindung BLV zu HBZ mehr "Luft" zum Stössel des HBZ? Kann das jemand bestätigen?
Hallo Maribus,

ich bin nicht sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Falls nicht, dann einfach ignorieren.
Du änderst nur die Länge der Bremsdruckstange. Damit kannst du die Bautoleranzen ausgleichen um sicherzustellen dass die Bremse nicht ungewollt schon leicht betätigt wird und damit die Pedalseite belüftet würde.

Zur Einstellung der Bremsdruckstange den Bolzen am Gabelkopf entfernen und dann die Kontermutter 22mm lösen. Dann die Länge der Bremsdruckstange durch Drehen anpassen bis der Bolzen am Gabelkopf leicht reingeht. Wie Thorsten schon sagte: Die Stange darf im Nullzustand keinen Druck ausüben!

Wenn dein Problem allein von einer falschen Einstellung der Bremsdruckstange herrühren würde, müsste ein Blockierzustand wegen Erwärmung aus meiner Sicht nach Lösen/Ausbau der Druckstange sofort verschwunden sein.

Gruß Gregor

Vielleicht hilft das hier ja auch:https://www.youtube.com/watch?v=cP1B9wSgB1I
Danke, Gregor, für deine Ausführungen. Genau, die besagte Stange habe ich versuchsweise hin und her verstellt. Hat aber das Problem nicht behoben.

Allerdings erschliesst sich mir noch nicht, wie das unter dem Gummibalg am BKV eingangsseitig weitergeht, bzw. wie diese Stange an den Stössel des HBZ anschliesst. Da sieht man ja nicht dran. Ich hatte gehofft, dass wenn ich diese Bremsdruckstange mehr gegen die Pedalen verstelle, es mehr Luft zum Stössel des HBZ gibt.
Hat nicht gefunzt.
Aber mit den Erkenntnissen aus Boggsermodoa's Beitrag ist das erklärbar. Es hatte einfach keinen Einfluss, da die Auslenkung des HBZ-Stössels unabhängig davon durch die defekte BKV-Kammeransteuerung erzeugt wurde.

Noch zum Blockierzustand: ich hatte ja den Motor ausgeschaltet und beide Schläuche vom BKV abgezogen. Trotzdem hat es einige Minuten gebraucht, bis die Räder wieder frei gedreht haben. Das passt irgendwie noch nicht.
T2ab Westi in sierragelb - jetzt wieder mit korrekter Front :D
Benutzeravatar
boggsermodoa
Wohnt im T2!
Beiträge: 7418
Registriert: 22.12.2003 10:53
IG T2 Mitgliedsnummer: 0

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von boggsermodoa »

Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 21:55 ... Ausgleichsbohrungen im HBZ müssten ergo offen bleiben, bzw. nix heiss werden.
Hab ich das richtig verstanden?
:thumb:

Ja!
Bevor du jedoch ohne Bremskraftverstärker rumgurkst*, mach doch lieber deinen oben beschriebenen "Durchflusstest" am Entlüftungsnippel. Ich war mir unsicher, ob die Suppe allein durch Schwerkraft fliesst, aber nachdem das ja funktioniert hat, wiederhole es mal mit laufendem Motor.

*Die Bremse erfordert ohne BKV nämlich sehr viel Pedaldruck.
Benutzeravatar
Maribus
T2-Süchtiger
Beiträge: 150
Registriert: 04.04.2020 10:38
IG T2 Mitgliedsnummer: 134

Re: Fahrwerk-Problem VW T2ab

Beitrag von Maribus »

boggsermodoa hat geschrieben: 08.08.2026 20:51 Ich habe mir jetzt den Mund fusselig geredet, aber du scheinst nicht zu verstehen.
Maribus hat geschrieben: 08.08.2026 19:43 2. Weiter habe ich mal vorne links an der Bremszange entlüftet und der Nachfüllbehälter hat sich brav entleert. Daher denke ich, dass das auch umgekehrt ok ist.
Mach genau dies nochmal, aber lass währenddessen den MOTOR LAUFEN!

Wenn sich dann der Ausgleichbehälter immer noch brav entleert, dann liege ich falsch. Tut er das jedoch nicht, dann ist bewiesen, was ich vermute und oben beschrieben habe.
Nee, bin nur zu langsam mit meinen Antworten :mrgreen:

Wieder ein super Ansatz! Das kann ich leicht überprüfen.
T2ab Westi in sierragelb - jetzt wieder mit korrekter Front :D